Konsequentes Agilitytraining

Konsequentes Agility-Training

Es gibt viele Wege nach Rom. Beim Agilitytraining ist das ebenso.

Ich werde hier nicht auf jede Trainingsmethode eingehen, sondern werde die Methoden, die ich mit meinen Hunden erfolgreich einsetze und die wir im Agility HundesportZentrum Rhein-Neckar auch anwenden, beschreiben.

Emiel Vervoort -ein international bekannter Agilitytrainer und Agilityrichter-, bei dem ich zwei Agilityseminare besucht habe, sagte, daß jede Trainingsmethode die Richtige ist, wenn das Team (Hundeführer und Hund) Spaß am Agility zeigt und dabei erfolgreich (fehlerlos und schnell) ist. Dem stimme ich uneingeschränkt zu.

Hat man sich jedoch für eine Trainingsmethode entschieden, sollte man auch dabei bleiben. Wer regelmäßig eine andere Methode ausprobiert, wird dabei seinem Hund nur verunsichern.

Wichtig ist, für seinen Hund die geeigneten Motivationstechniken herauszufinden - am besten bevor man mit Agility beginnt. Wenn ein Hundeführer mit seinem Hund spielen kann (mit Spielball oder Beißwurst) ist das für Agility eine optimale Motivationsgrundlage. Das Leckerli (Futter) sollte man sehr behutsam und nur ganz gezielt (z.B. zum Erlernen der Kontaktzonen) einsetzen. Ein Hund ist wie ein kleines Kind, das sich durch gezieltes Lob optimal beeinflussen und steuern läßt.

Das Lob (=Motivation) muß direkt nach einer korrekten Übung gegeben werden, damit es als positive Bestätigung beim Hund wirkt. Das korrekte Verhalten prägt sich somit beim Hund durch ständige Wiederholung der Übung ein.

 

Motivatiom

Ausgelassenes Spiel

vor und nach einer Übung

Wenn ich mit meinen Hunden eine Übung durchführe, achte ich darauf, daß es immer nur kurze Sequenzen sind, und daß die Übung mit einem kurzen (aber heftigen) Spiel beginnt und auch endet. Der Übungsparcour darf nur solange sein wie der Hund noch mit voller Freude bei der Sache ist. Wenn es dem Hund am meisten Spaß macht und er am aufmerksamsten ist, muß die Sequenz beendet werden. Wer erst dann aufhört, wenn er merkt, daß der Hund den Spaß langsam verliert hat schon zu lange trainiert. Für die richtige Übungssequenz kann ich keine Zeit nennen, da dies für jeden Hund individuell herausgefunden werden muß. Für einen Anfängerhund sollte jedoch eine Übungssequenz aus max. drei bis fünf Hindernissen bestehen.

Der Hund soll beim Agilitytraining nur positive Erfahrungen machen. Deshalb ist es wichtig die Übungsschritte zu konditionieren. Für einen Anfängerhund müssen spezielle Hindernisse eingesetzt werden, die einfach zu bewältigen sind. Erst wenn der Hund die einfache Version beherrscht, wird der Schwierigkeitsgrad Schritt für Schritt erhöht, bis man - mit viel Geduld - das Originalhindernis erreicht hat. Macht der Hund während dieser Lernphase einen Fehler, ist es ein Zeichen, daß die Schwierigkeitsstufe zu schnell erhöht wurde. Anstelle den Hund jetzt zu tadeln oder sogar zu bestrafen geht man zwei Lernstufen zurück. Den Anfängerhund mit der Leine an ein neues Hindernis heranzuführen gibt dem Hund eine gewisse Sicherheit. Auf keinem Fall darf jedoch mit entsprechendem Leinenruck die Leine als Druckmittel mißbraucht werden. Diese Methode ist nicht zur Motivation des Hundes geeignet. Sobald der Hund Druck und negative Erfahrungen mit Agility verknüpft, wird er nie freudig, sicher und schnell den Parcours bewältigen. Das gilt ganz besonders für einen sensiblen Hundetyp.

Wenn der Hund Spaß hat einen ganz kurzen Tunnel zu durchlaufen, wird man langsam diesen Tunnel -wie eine Ziehharmonika- vergrößern bis hin zur Originalgröße.

Gleiches gilt auch für die Wippe, bei der sich der Hund erst an die Abwärtsbewegung der Wippe auf ganz niedrigem Niveau (max. 20 cm) gewöhnen soll.

Dieses Training in kleinen Lernschritten ist auch bei dem Laufsteg und der Schrägwand wichtig. Erst wenn der Anfängerhund sicher und schnell diese Hindernisse auf ganz tiefem Niveau beherrscht, kann die Höhe langsam gesteigert werden.

 

© Andreas Eisinger